Was Massentierhaltung anrichtet!

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Gutshof-Idylle -„Gut Ponholz“, „Mühlenhof“ oder „Gut Drei Eichen“ gibt es gar nicht und trotz neuem Fleisch-Siegel kaum Verbesserungen bei der Tierhaltung

Verbraucher lehnen Billigfleisch aus Massentierhaltung zunehmend ab, daher greifen die Discounter und Supermärkte vermehrt zu Tricks. „Meine Metzgerei“, so wirbt Aldi und im Sonderangebot ein XXL-Krusten-Braten! Doch wer nun glaubt, dass die „Metzgerei“ sich gleich in der Nachbarschaft befindet, irrt sich. Und auch Pennys „Mühlenhof“und  Nettos „Gut Ponholz“ gibt es gar nicht. Das Logo des Wurstherstellers Rügenwalder Mühle ist eine Mühle mit roten Würsten als Flügel. Eine echte zum Unternehmen gehörige Windmühle gab es aber weder in Rügenwalde noch später in Niedersachsen. Vorsicht auch bei Werbebegriffen wie „aus der Region“ oder „von hier“, denn der Begriff „Region“ ist gesetzlich nicht geschützt. Neuerdings werben die Discounter mit neuem Fleisch-Siegeln, doch auch hier gibt es kaum Verbesserungen bei der Tierhaltung.

Tricks der Supermärkte – „Gut Ponholz“, „Mühlenhof“ oder „Gut Drei Eichen“ gibt es gar nicht

Genau darüber haben wir Sie 2015 informiert. Viel ist seither geschehen und viele „neue Siegel“ und „toll klingende Werbeversprechungen“ später stellen wir fest, dass die Tricks immer dreister werden. Auch die Rückrufe von Aldi, Edeka, Rewe, Penny  nehmen zu, wie Gefahr durch Listerien in diversen Hähnchensnacks zahlreicher Handelsunternehmen. Oder nachdem im August 2018 vor Bioeiern wegen Salmonellen bei Aldi , Penny, Real, Kaufland und Lidl gewarnt wurde, folgt im Dezember 2018 wieder ein Rückruf vor Salmonellen in Eiern bei Aldi, Penny, Real, Kaufland und Lidl. Es lässt Rückschlüsse zu, dass egal wo man kauft, es sich scheinbar immer um die selben Produzenten handelt.

Gutshof-Idylle im Kühlregal, damit ködern Supermärkte und Discounter ihre Kunden

Aldi Nord verkauft Fleisch und Wurst vom „Gut Drei Eichen“ und vom „Güldenhof“. Penny hat den „Mühlenhof“ – und Tengelmann den „Birkenhof“. Bei Norma: gleich zwei „Güter“, „Gut Langenhof“ und „Gut Bartenhof“. Bei Netto gibt es Produkte vom „Gut Ponholz“. Netto, Aldi Nord, Norma und Tengelmann gaben bereits 2015 zu, dass die Höfe gar nicht existieren und die Namen nur dem Marketing dienen.

Tatsächlich, nach deutschem Markenrecht ist es völlig legal, Produkte unter einem Bauernhofnamen zu verkaufen, auch wenn sie gar nicht von dort kommen.

Vor zwei Jahren verständigten sich Edeka und Rewe über die Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann. Daraufhin wurde auch zum Beispiel das zur Tengelmann-Gruppe gehörende Birkenhof-Fleischwerk in Viersen geschlossen. Eine „Gutshof-Idylle“ weniger.

Nehmen wir die Gutshof-Idylle „GÜLDENHOF“ von Aldi unter die Lupe, stellen wir spätestens nach dem Rückruf  „Listerien – Hersteller ruft Hähnchensnacks über verschiedene Handelsketten zurück“  im Dezember 2017 fest, dass die zur Mühlen Markenvertriebs GmbH & Co KG hinter der angeblichen „Gutshof-Idylle“ steckt, die wiederum zur Unternehmensgruppe Tönnies gehört. 

Ähnliches Foto

Hinter „Gut Drei Eichen“  von Aldi steckt Astro Fleischwaren GmbH & Co., doch die wurde nach einer Insolvenz von der zum Tönnies-Konzern gehörenden Zur-Mühlen-Gruppe zum 1. August 2018 übernommen.

Statt wie bisher 26 000 Schweine will Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zukünftig 30 000 Tiere pro Tag schlachten.

Billig alleine reicht heute nicht mehr, um Produkte zu verkaufen. Die Verbraucher wollen das „gute Gefühl“ gleich mitkaufen. Bodenständiges Landleben liegt voll im Trend. Und jeder möchte sich davon ein Stückchen kaufen.

Der deutsche Lebensmittelhandel wird von den sogenannten Big Four beherrscht. Nur vier große Lebensmittelkonzerne vereinen 85 % des Absatzmarktes auf sich. Dieses Übergewicht gibt ihnen die Macht über die Konsumenten, denn die meisten Deutschen kaufen dort ihre Lebensmittel, angelockt durch billige Angebote.

Woher soll so viel besseres Fleisch kommen?

Die Gegend zwischen Oldenburg in Niedersachsen und Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen ist Deutschlands größte Schlachtanlage. Hier werden jedes Jahr 3,5 Millionen Tonnen Schweine-, 900 000 Tonnen Geflügel- und 400 000 Tonnen Rindfleisch produziert. Schlachten, das bedeutet: Hals aufschneiden, aufhängen, Rektum aufbohren, enthäuten, aufschneiden, zerteilen, verpacken. Man kann es sich kaum vorstellen: rund 1400 Schweine werden im Werk Rheda-Wiedenbrück bei Europas größtem Fleischverarbeiter Tönnies geschlachtet und zerlegt. Nicht etwa am Tag, sondern in einer Stunde. Pro Tag sind das mehr als 22 000 Tiere. Jetzt will Tönnies in Rheda-Wiedenbrück zukünftig 30 000 Tiere pro Tag schlachten.

Ausgerechnet die Discounter, die mit billigem Fleisch ihre Kunden locken, werben mit eigenen Herkunftssiegeln für Transparenz und besserer Tierhaltung. 

Der Weg des Fleisches ist sehr verschlungen: Erzeuger, Schlachthöfe, Zwischenhändler, Lieferanten und Verkäufer sorgen dafür, dass man diesen Weg kaum noch zurückverfolgen kann.

Als 2016 in einer Recherche gefragt wurde: Wie viele Tiere stecken in einer 500-Gramm-Packung Faschiertem von Aldi? Wo kommen sie her? –

– war die Antwort: Fleischspuren von 150 Schweinen und 60 Rindern, also von insgesamt 210 (!) Tieren stecken in einer einzigen 500-Gramm-Packung Hackfleisch. Auch die Rückverfolgbarkeit sorgt für Unklarheiten: Obwohl in Deutschland mit dem 1. April 2015  eine neue Transparenzverordnung erlassen wurde, lässt sich die Herkunft des Tieres nicht einwandfrei ermitteln. Zwar werden der Ort der Schlachtung und der Mast angeführt, der Geburtsort des Tieres allerdings nicht.

Noch beherrscht die konventionelle Massentierhaltung, mit 3.300 Höfen, den Markt. 2.200 Produzenten züchten nach Tierwohl-Kriterien und 345 sind Bio-Mäster. Kein Wunder also, dass sich in den Kühltheken, bei Lidl und Netto, kaum Geflügel mit besserer Tierhaltung  findet.

Was man uns als „Tierwohl“ verkaufen will, sieht in der Realität so aus: In diesen Tierfabriken werden 5.000 Schweine von einem Menschen gesteuert. Die Tiere stehen eng gedrängt. Ihre Schwänze sind gekappt und die Zähne abgeschliffen, weil sie sich aus Langeweile sonst gegenseitig die Schwänze abbeißen, krank werden und Antibiotika brauchen. Nach kurzem Leben werden sie dann von modernen Sklaven geschlachtet. Das sind zumeist Bulgaren oder Rumänen, die für 4,50 Euro die Stunde in einem irrsinnigen Tempo die Tiere aus dem Leben in den Tod bringen. Das ist einfach würdelos, so der Vorbesitzer von HERTA!  Als er damals seine Fabrik verkaufte.
Karl-Ludwig Schweisfurth in einem Interview: „Als ich gesagt habe, ich habe die Schnauze voll, hatte Herta zehn Fabriken. Wir waren einfach zu groß, um konsequent auf Ökologie umzustellen.“  Herta gehört seitdem Nestle.

Auch die aktuellen Recherchen zeigen, dass fast alles aus Massentierhaltungen kommt.

Trotz neuem Fleisch-Siegel gibt es kaum Verbesserungen bei der Tierhaltung. Als 20 Märkte im Rhein-Main-Gebiet überprüft wurden, fand man nur Schnitzel in Stufe 1, der Massentierhaltung.

Die Verbraucherzentralen kommen bei ihren Stichproben zum gleichen Ergebnis.In 13 Städten wurden Stichproben gemacht. Das Ergebnis: 95 Prozent des Fleisches stammten aus Massentierhaltung. So erklärt Klaus Müller vom Bundesverband Verbraucherzentrale: „Tatsächlich war das Angebot an tierschutzgerechtem Fleisch extrem überschaubar. Es gab nur die geringen Stufen an Verbesserungen. Wirkliche Verbesserungen – bis hin zur Bio-Qualität – haben die Kollegen meistens vergeblich gesucht.“

Lidl und Netto sind offensichtlich vorgeprescht, ohne ausreichend Fleischlieferanten zu haben. Beim Hühnerfleisch gibt es zu wenig Mäster, die die unterschiedliche Qualität liefern könnten.

Plusminus“ – ARD will wissen, warum das so ist, und fragt bei den Discountern nach. Netto antwortet nicht. Lidl schreibt: „Auf Grund komplexerer Lieferketten und schwierigerer Rückverfolgbarkeit, vor allem im Bereich „Schweinefleisch“, sind aktuell lediglich Geflügelfleischprodukte mit Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ oder 3 „Außenklima“ gekennzeichnet.

Was aber sollen dann vier Haltungsstufen, wenn der Verbraucher sie nicht im Laden findet?

Lebensmittelketten wie Aldi, Netto, Lidl u. s. w. greifen gerne in die Trickkiste. Die Verpackungen sind geschmückt mit Bildern von alten Gutshäusern und auch neuerdings mit eigenen Herkunftssiegeln für Transparenz.

Aldi und Lidl kämpfen seit Jahren um die Vorherrschaft auf dem Lebensmitteldiscountmarkt, doch längst hat EDEKA den Markt erobert, allerdings mit zig Zukäufen, zuletzt durch die teure Tengelmann–Akquisition

  • Während EDKA mit „Wir ♥ Lebensmittel.“  wirbt,  schreibt
  • REWE : „Unsere Mission: Gemeinsam für ein besseres Leben.“
  • Aldi-Nord wirbt mit: „Unser Leitbild einer sozial und ökologisch verantwortungsbewussten Unternehmensführung orientiert sich an den klassischen Kaufmannswerten.“
  • Aldi-Süd hat ebenfalls ein Leitbild: „Wir handeln mit Verantwortung. Unser wichtigstes Geschäftsprinzip ist die Einfachheit: Wir stellen den Kunden in den Mittelpunkt und bieten einfache Lösungen für die Bedürfnisse des täglichen Lebens.“
  • Und Lidl hat sich besondere Mühe mit dem Leitbild gegeben – mit dem Motto „Auf dem Weg nach Morgen“ – Unser Ziel ist es, dass Sie uns auch weiterhin Ihr Vertrauen schenken!“

Der neue TV-Spot des Discount-Marktführers  ALDI nutzt sogar König Fußball, um sich selbst als Sieger bei der Umweltverträglichkeit und dem Fairtrade seiner Handelsmarken zu feiern. Der Vignettenfilm beginnt auf einem Bauernhof, entführt die Zuschauer dann plötzlich in ein verregnetes Fußballstadion und endet mit einem gemeinsamen Essen in ländlicher Atmosphäre. Erst gegen Ende wird klar, welche Botschaft Aldi eigentlich setzen will: Die Handelsmarken des Discounters sind immer gut für einen Titel. Konkret hat Aldi den Fairtrade Award 2018 gewonnen.

In der Kategorie „Handel“ fiel der Jury-Entscheid auf Aldi Nord & Aldi Süd. Der Discounter macht eine Vielzahl fair gehandelter Waren für jeden zugänglich – mit eigens kreierten Fair-Handels-Eigenmarken, bietet Infos für Mitarbeiter und Kunden und unterstützt Projekte in den Anbauländern.

Wie das die Produzenten bei Bananen sehen, zeigt der offene Brief, den Aldi Deutschland vom ecuadorianischen Bananensektor erhalten hat:

„Nach all der Arbeit und Leistung zur Verbesserung des ecuadorianischen Bananensektors haben die großen Einzelhändler in Europa jedoch nichts anderes getan, als ihren Einkaufspreis Jahr für Jahr zu senken und gleichzeitig weiterhin mehr Investitionen in Nachhaltigkeit zu fordern.“

Wer bestimmt, was „regional” ist?

Für verarbeitete Produkte schreibt das Gesetz keine Angaben zum Herkunftsland vor. Es genügt die Information, für wen das Produkt hergestellt beziehungsweise, wo es verpackt wurde. Auf dem Regio-Portal kann man Regionalmarken in der Umgebung suchen und sich über die Kriterien informieren.

Dies sind keine Hinweise auf regionale Lebensmittel

  • Werbehinweise mit unbestimmten Begriffen wie „aus der Region“, „von hier“, „Heimat, „Nähe“, ohne genaue Orts- oder Regionsangaben.
  • Markennamen mit regionalem Bezug wie „Mark Brandenburg“, „Mühlhäuser“ oder „Küstengold“. Für die regionale Herkunft der Rohstoffe bzw. Zutaten oder die regionale Verarbeitung sind im Markengesetz keine Regelungen vorgeschrieben.
  • Regionale Spezialitäten mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.) – wie Lübecker Marzipan, Schwäbische Spätzle oder Düsseldorfer Senf. Hier muss lediglich eine Stufe der Produktion im genannten Gebiet stattfinden. Die Herkunft der Rohstoffe bleibt unklar.
  • Identitätskennzeichen: Wenn dort zum Beispiel D NW xxx steht, bedeutet dies lediglich, dass die letzte Verarbeitungsstufe oder die Verpackung in NRW vorgenommen wurde. Der Ursprung der Zutaten ist unklar.
  • Unverarbeitetes Obst und Gemüse mit dem Ursprungsland „Deutschland“.
  • Die Angabe „Hergestellt für …“ oder die Herstelleradresse auf verpackten Lebensmitteln. Dies sind keine Aussagen über die Herkunft der Rohstoffe.
  • Mehr Infos: Regionale Lebensmittel vom VerbraucherzentraleIn jeder Branche wird mit Tricks gearbeitet

EDEKA-Tochter Netto wirbt mit tiefgefrorenem Zebrasteak! Erst im Januar 2018 deckte ci-romero erneut Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung von EDEKAs Chicken Nuggets auf, und zwar kommt das Fleisch aus Brasilien, weil es so billig ist.

Tolle Labels allein sind noch kein Garant für besseres Fleisch und auch nicht für „faire“ oder „regionale“ Ware.

„Verbraucher sind für die Wirtschaft das, was der Wähler für die Politik ist”. Jim Turner, amerikanischer Wirtschafts-Journalist

Quelle : http://dirtyworld1.wordpress.com

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