Macron – Die „schwule Staatsaffäre“ weitet sich aus 5/5 (1)

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In Frankreich kocht die Gerüchteküche um den amtierenden Präsidenten Emmanuel Macron über. Nach tagelangem Schweigen sah er sich nun zu einem Statement über seine angebliche Liaison mit seinem Bodyguard und Vertrauten Alexandre Benalla genötigt. 

Von Marilla Slominski

„Alexandre Benalla besitzt nicht den nuklearen Code“, schickte er „witzig“ vorweg, „und er ist auch nie mein Liebhaber gewesen“, erklärte gestern der französische Präsident auf einem Krisentreffen mit Abgeordneten, dass er nutzte, um den wilden Gerüchten um seine Homosexualität heftig zu widersprechen (jouwatch berichtete).

Der 26-jährige Alexandre Benalla, Sohn marokkanischer Einwanderer, war bis zum vergangenen Freitag offiziell Macrons Leibwächter, als er durch Videoaufnahmen ins Rampenlicht geriet, die ihn in Polizeiuniform prügelnd auf einer Demo vor drei Monaten zeigten. Die Aufnahmen und der darauffolgende Umgang mit dem falschen Polizisten Benalla entwickelten sich zum handfesten Skandal, der Macron heftig ins Straucheln bringt. Seine Umfragewerte rauschen in die Tiefe – sie liegen jetzt bei mageren 39 Prozent, berichtet MailOnline.

Gefundenes Fressen für seine Gegner, die seinen Vertuschungsversuch des Vorgangs nutzen, um Macrons Bild des monarchischen „Präsident der Reichen“ weiter zu stärken. Für sie ist Macron abgehoben – ein Präsident, der keine Ahnung von den Sorgen und Nöten seiner Bürger hat und laut den Worten des Pariser Polizeichefs, zu „toxischer Vetternwirtschaft“ neige.

Macron sieht sich nun mit ernsthaften Fragen konfrontiert, die sich vor allem um die genaue Beziehung des 40-Jährigen mit seinem jungen ständigen Begleiter drehen. Alexandre Benalla, 26 Jahre jung und mit marokkanischen Wurzeln, hat sich in den vergangenen 18 Monaten zur Schlüsselfigur in Macrons öffentlichem- und seinem privaten Leben entwickelt.

Aufgewachsen in einer Vorstadt von Evreux in der Normandie, wurde er schon als Teenager zum Unterstützer der linken sozialistischen Partei. Er schloss Freundschaft mit ihrem Sicherheitsdirektor Eric Plumer, der ihm Beschäftigung bei Parteifunktionären, einschließlich dem früheren Präsidenten Francois Hollande verschafft haben soll, recherchierte jetzt der britische Journalist Guy Adams für MailOnline. In dieser Zeit soll Benalla auch Emmanuel Macron kennengelernt haben. Benalla arbeitete mehrere Jahre für die Sozialistische Partei, wurde 2012 gefeuert, weil er nach einem Autounfall, bei dem er den damaligen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg gefahren hatte, floh.

Daraufhin verbrachte Alexandre Benalla mehrere Jahre in Marokko, wo er in der Sicherheitsbranche tätig war. Als sein alter Kumpel Macron seine Bewegung En Marche! gründete und 2017 zu den Präsidentschaftswahlen antrat, kehrte Benalla nach Paris zurück, um ihn zu unterstützen. Schnell wurden die beiden unzertrennlich. Sie fuhren zusammen Fahrrad, besuchten gemeinsam Tennisspiele. Ihre Beziehung war so eng, dass sie dem jungen Freund Macrons zu einer uneingeschränkte Zugangsberechtigung zur französischen Nationalversammlung sowie zum Schlüssel des Privatanwesen des Präsidenten in Le Touquet verhalf.

Nach dem Wahlsieg Macrons im vergangenen Mai konnte sich sein enger Vertrauter über zahlreiche Privilegien freuen: Ein Jahresgehalt von mehr als 100.000 Euro, eine Wohnung an der Seine sowie ein Auto auf  Staatskosten, ausgerüstet mit Blaulicht, um schneller durch die notorisch verstopften Straßen von Paris zu kommen.

(screenshot Twitter)
Alexandre Benalla: Engster Vertrauter Macrons (screenshot Twitter)

Während des Wahlkampfes sah man Benalla an Emmanuel Macrons Seite, er folgte ihm wie sein Schatten. Vorwürfe wurden laut, er hätte sich Journalisten gegenüber grob benommen, die es gewagt hatten, unbequeme Fragen zu stellen. Vor allem Interesse an der Ehe Macrons mit seiner 25 Jahre älteren ehemaligen Lehrerin Brigitte Auziere, in die er sich als 15-Jähriger verliebt und sie später zu seiner Frau gemacht hatte, seien mehr als unerwünscht gewesen. Angesichts der engen Freundschaft zwischen Macron und Benalla wuchsen die Spekulationen. Befeuert wurden sie von angeblich kompromittierenden Paparazzi-Fotos, die Benalla zusammen mit dem 41-jährigen ehemaligen Vorsitzenden von Radio France Mathieu Gallet in einem Wald zeigen sollen. Die Fotos erblickten nie das Licht der Öffentlichkeit, trotzdem sah sich Macron letztendlich zu einer Stellungnahme genötigt. Zu behaupten, ein Mann könne nur mit einer älteren Frau liiert sein, wenn er homosexuell sei, sei frauenfeindlich und homophob, so damals der mit 39 Jahren jüngste Präsidentschaftskandidat Frankreichs. „Wenn ich homosexuell wäre, würde ich das sagen und offen leben“, bekräftigte er.

Die vermeintliche Homosexualität des Präsidenten rückte in den Hintergrund, seine Popularität stieg. Bellana soll im Hintergrund wichtige Auftritte Macrons inszeniert haben unter anderem seinen einsamen Spaziergang nahe der Louvre Pyramide, bevor er die Bühne zu den Klängen von Beethovens „Ode an die Freude“ erklomm, um seine Siegesrede zu halten.

Laut der Webseite Wikileaks soll Bellana, ein Polizei-Reservist, der unter mysteriösen Umständen Jahre früher als üblich zum Oberstleutnant aufstieg, sein Team während des Wahlkampfes mit Waffen, kugelsicheren Westen und Pfefferspray ausgerüstet haben. Obwohl seine Bitte zweimal von offizieller Seite zurückgewiesen worden sei, bekam er eine Glock-Pistole mit 2000 Schuss Munition.

Nun, als einer der engsten Vertrauten des Präsidenten, trat er mit seinem Demonstrations-Auftritt den Skandal los, der seither in Frankreich das Gespräch beherrscht und Macron in Bedrängnis bringt.

Bei den Protesten im Mai gegen die wirtschaftlichen Reformen Macrons, an denen tausende Studenten beteiligt waren, wurde er handgreiflich, schlug in Polizeiuniform eine Frau und einen Mann. Der Vorfall landete direkt im Büro Macrons. Die dort verhängte „Strafe“ für Bellana lautete – 15 Tage ohne Bezahlung vom Dienst suspendiert, danach Rückkehr in den Dienst des Präsidenten. Eine Entscheidung, die gegen geltendes Gesetz verstößt – Macron hätte den Vorfall bei den Justizbehörden melden müssen – ein Moment, den er unbedingt vermeiden wollte.

Die Vertuschung funktionierte nur bis zum Mittwoch vergangener Woche. Die Tageszeitung Le Monde veröffentlichte die „Prügel-Fotos“, Bellana wurde erkannt. Er wurde verhaftet, nun muss er sich wegen Gewaltanwendung gegen Zivilisten und dem unrechtmäßigen Tragen einer Polizeiuniform verantworten. Seine Wohnung und sein Büro wurden durchsucht. 48 Stunden später wurde er gefeuert. Auch gegen einen Angestellten des Präsidentenbüros sowie gegen drei Polizeibeamte soll wegen Verschleierung ermittelt werden. Inzwischen beschäftigt sich das Parlament mit den Vorgängen.

(screenshot Twitter)
Gelten als unzertrennlich: Der Präsident und sein Bodyguard (screenshot Twitter)

Macron gab zwar zu, einen „großen Fehler“ gemacht zu haben, scheint aber durchaus von seinem Intimfeind Donald Trump gelernt zu haben: er beschuldigt kurzerhand die Medien: „Wir haben eine Presse, die nicht länger nach der Wahrheit sucht“, schiebt er die Schuld anderen zu. Und er klagt bei den veröffentlichten Fotos den fehlenden Kontext an. „Ich möchte nicht nur das eine Foto sehen. Ich will auch sehen, was davor und danach passiert ist“, fordert der französische Präsident.

Der Glanz als gefeierter aufsteigender Star am Polithimmel hielt nicht lange an. Nach dem bekannt wurde, dass er in den ersten drei Monaten als Präsident allein 26.000 Euro für Make-Up Artists ausgegeben hatte und er sich u.a. einen neuen Pool für sein Anwesen an der Riviera wünschte, wurde ihm Eitelkeit und Selbstsucht vorgeworfen.

Und auch den „Mann des Volkes“ will ihm so langsam keiner mehr abkaufen, besuchte er doch die gleichen Schulen, Universitäten und arbeitete als hoch bezahlter Banker wie die Eliten, gegen die er vorgab, angetreten zu sein. Längst wird er als herrisch, arrogant und herablassend wahrgenommen, berichtet MailOnline.

Er sei sich sicher, dass sich die Wirklichkeit gnädig seinem Willen beuge, sobald er den entsprechenden Wunsch äußere, beschrieb Ex-Präsident Francois Hollande die Arroganz seines ehemaligen Schützlings jüngst in seinen Memoiren.

Angesichts seiner sich im Sinkflug befindenden Umfragewerte landete Macron bei der Fußball-WM einen genialen PR-Coup. Das Foto des dynamischen jubelnd in die Luft springenden Präsidenten, der mit erhobener Faust das entscheidende Tor seiner französischen Mannschaft feiert, ging um die Welt.

Nur Tage später wunderte sich Frankreich schon wieder, warum an Bord des Busses, mit dem die Fußballweltmeister-Mannschaft in Paris eintraf, ausgerechnet wieder Macrons vertrauter Skandal-Freund Alexandre Benalla saß. Macrons rechte Hand Christophe Castaner war um eine Antwort nicht verlegen: Benalla „habe nur mit dem Gepäck geholfen“, lautete seine Erklärung.

Ein weiteres Kapitel im Buch um die Beziehung zwischen dem Präsidenten und seinem jungen Freund ist aufgeschlagen.

Quelle : https://www.journalistenwatch.com/2018/07/27/macron-die-staatsaffaere/

 

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