Fed – die Erschaffung eines märchenhaften Gelddruckprogramms

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Die Experten streiten noch über den Charakter des neuen Anleihekaufprogramms der US-Notenbank Fed und übersehen dabei ein wichtiges Detail: Die Fed-Bilanz wird über die ohnehin schon hohe Gelddrucksumme von 60 Mrd. US-Dollar pro Monat hinaus dank einer Reinvestitionsklausel noch deutlich schneller aufgepumpt werden.Werbung

Fed – der Staat und die Wirtschaft

Stellen Sie sich vor, Sie sind die Bundesregierung der Vereinigten Staaten von Amerika und haben einen riesigen Finanzbedarf, der weit über Ihre Einnahmen hinausgeht. Am freien Kapitalmarkt können Sie Ihren Geldhunger mangels Liquidität nicht mehr stillen und wenn, dann nur zu extrem hohen Zinsen, die Sie sich wiederum nicht leisten können.

Ihre Zentralbank springt an dieser Stelle als ultimativer Gläubiger ein und bietet Ihnen an, monatlich 60 Mrd. US-Dollar für Ihr Budget zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug müssen Sie kurzfristige Schuldscheine mit einer Laufzeit von einem bis zu maximal zwölf Monaten ausstellen, bitte nicht längerfristig. Die Notenbank erschafft das Geld aus dem Nichts und nimmt im Gegenzug Ihre Schuldscheine, genannt Schatzwechsel oder T-Bills, auf ihre Bilanz. Natürlich wäre dieses Vorgehen direkte Staatsfinanzierung via Notenpresse, weshalb Sie und die Fed Strohmänner aus dem privaten Bankensektor dazwischenschalten, natürlich gegen Prozente.

Sie können nun mit dem indirekt von der Fed erhaltenen Geld machen, wonach Ihnen gemäß Ihrem politischen Mandat als gewählte Volksvertreter, der Sinn steht. Zum Beispiel nachfragewirksam in die Wirtschaft pumpen, in dem Sie damit Transferleistungen zahlen, Subventionen an Unternehmen überweisen, Straßen bauen oder das Militär ausrüsten.

Gelddrucken der Fed, aber ohne mengenmäßige Lockerung bitte

Aber es wird noch besser: Die Finanzierung ihres Budgets über die Notenpresse geschieht sehr diskret und ohne irgendjemanden zu beunruhigen. Das Gelddruckprogramm ist offiziell nämlich gar kein QE-Programm, vor dem überschlaue Analysten seit Jahren immer wieder als letztem Beweis Ihrer hoffnungslosen Überschuldung gewarnt hatten. QE, also Quantitative Easing, wäre es nur, wenn das Gelddruckprogramm einer spezifischen Definition entsprechen würde und das tut es zum Glück nicht – dank der kurzen Laufzeit Ihrer Schuldpapiere.

Der Finanzmarkt bekommt die Liquidität, die er braucht, ohne unnötig alarmiert zu sein, und sie können ihrem Volk die Maßnahme als technische Notwendigkeit mit komplexen Details verkaufen, die ohnehin nur Ökonomen mit Spezialwissen verstehen. Außerdem dient diese, ganz sicher nur vorübergehende Maßnahme lediglich der „Normalisierung“ der Liquiditätssituation privater Banken. Also kein Grund zur Sorge.

Die Tatsache, dass schlicht und einfach Geld aus dünner Luft erzeugt und über das Staatsbudget nachfragewirksam in die Wirtschaft gepumpt wird, fällt niemandem weiter auf. Offiziell ist ein QE nämlich nur dann ein QE, wenn länger laufende Anleihen gekauft werden.

Der Reinvestitionstrick oder „Der süße Brei“

Kennen Sie das Märchen der Gebrüder Grimm „Der süße Brei“? Das Töpfchen füllt sich nach dem Genuss des Breis immer wieder auf, sofern noch etwas übrig gelassen wurde. Genauso verhält es sich auch mit dem neuen Gelddruckprogramm der US-Notenbank Fed.
Im Kleingedruckten der Presseerklärung zum neuen Staatsanleihekaufprogramm erläutert die Fed höchst selbst, warum es für die Aufblähung ihrer Bilanz gar keinen Unterschied macht, ob sie langlaufende oder kurzlaufende Staatsanleihen von Baken erwirbt.
Die für alle Offenmarktgeschäfte der US-Notenbank zuständige Fed of New York schreibt zu den Details der Umsetzung wörtlich: „These reserve management purchases of Treasury bills will be in addition to the Desk’s ongoing purchases of Treasury securities related to the reinvestment of principal payments from the Federal Reserve’s holdings of agency debt and agency mortgage-backed securities.“

Übersetzt: Diese Käufe von Schatzwechseln erfolgen zusätzlich zu den laufenden Käufen von Schatztiteln durch das Desk im Zusammenhang mit der Reinvestition von Kapitalzahlungen aus den Beständen der Federal Reserve an Agency Debt und Agency Mortgage-Backed Securities.

Es werden also sämtliche Erlöse aus den bereits im Bestand befindlichen Staats- und Hypothekenanleihen reinvestiert. Das gilt auch für die neu hinzukommenden Papiere. Läuft eine z. B. zwölf Monate laufende Treasury Bill (T-Bill) aus, werden die daraus vom Staat gezahlten Zinsen sowie die Tilgung sofort wieder reinvestiert und bleiben zusätzlich zu den monatlichen Neukäufen auf der Bilanz der Fed.

Für Sie als Bundesregierung der USA bedeutet dies, dass Sie nur pro forma Zins und Tilgung zahlen, da Sie das Geld eine logische Sekunde später wieder auf Ihrem Konto haben, zusätzlich zu den 60 Mrd. Dollar pro Monat aus der Druckerpresse. Märchenhaft!

Fazit und Kritik

Es grenzt schon an sowjetische Propaganda, solch ein Programm nicht QE nennen zu dürfen. Qualitative Lockerung heißt Zinssenkungen, quantitative Lockerung heißt Erhöhung der Geldmenge, basta. Man darf gespannt sein, wann man offiziell als Staatsfeind gilt, wenn man davon nicht ablässt. De facto wird Geld gedruckt und anschließend auf elektronischem Umweg über die Banken in Millisekunden Schnelle an das US-Finanzministerium überwiesen, um von der Bundesregierung in die reale Wirtschaft gepumpt zu werden. Nennt es wie ihr wollt aber das ist Geldsozialismus. Mir klingt noch die Catchphrase vom obersten Wirtschaftsberater Trumps, Larry Kudlow, im Ohr, als er noch als Medienschaffender in Fernseh- und Radio-Shows auftrat und ständig wiederholte: „Free Market Capitalism is the Best Path to Prosperity“. Willkommen im totalen Notenbanksozialismus, Herr Kudlow.

Fed Beispielfoto


Eine Sitzung in der Fed

Quelle :https://finanzmarktwelt.de/fed-maerchen-144368/?fbclid=IwAR0MSF4IN4wXjPb2IghJd59da32FjFHLIGaoYNR83z9DmDH8QRHtTYmWILA

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