Wenn die Miete bezahlt ist, bleibt weniger als Hartz IV 5/5 (1)

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Armutsrisiko Wohnen: Über eine Million Haushalte haben nach Abzug der Wohnkosten kaum noch Geld übrig. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt ein neues Gutachten im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD).

Die Hälfte der Miethaushalte muss demnach mindestens 29 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Bruttokaltmiete aufwenden. Bei Geringverdienern mit weniger als 1300 Euro Haushaltseinkommen liegt dieser Anteil sogar bei 46 Prozent, bei einem Haushalts-Netto zwischen 1300 und 2000 Euro bei 32 Prozent. Wer dagegen netto mehr als 4500 Euro im Monat zur Verfügung hat, muss laut Gutachten nur noch 17 Prozent seines Einkommens fürs Wohnen „ausgeben.

„Mietpreisentwicklung vertieft die soziale Spaltung der Gesellschaft“

„Die Mietpreisentwicklung vertieft die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft“, schlägt SoVD-Präsident Adolf Bauer (78) Alarm und kritisiert: „Die Miete macht über eine Million Haushalte in Großstädten so arm, dass ihr Einkommen nach Miete unter dem Regelsatz von Hartz IV liegt.“

Laut Gutachten sind die durchschnittlichen Mieten in den letzten 15 Jahren stärker gestiegen als die durchschnittlichen Einkommen. Da die Niedrigeinkommen prozentual am schwächsten wachsen (oder sogar stagnieren), schlagen die steigenden Mieten in diesen Haushalten besonders stark zu Buche.

„Anfällig für eine hohe Mietbelastungsquote“ seien neben Geringverdienern auch Alleinerziehende, Haushalte mit Migrationshintergrund, Rentner, Bezieher von Transferleistungen oder Menschen mit geringem Bildungsgrad, heißt es im Gutachten, das sich auf Daten aus 2014 und 2015 stützt.

Hauptproblem: fehlender, bezahlbarer Wohnraum

Armutsrisiko Miete – Hauptproblem ist fehlender, bezahlbarer Wohnraum. Und das führt laut Gutachten inzwischen dazu, dass jeder vierte Haushalt (25 %) mit mehr als zwei Personen auf zu engem Raum lebt. „Kinder müssen sich Zimmer mit mehreren Geschwistern teilen, Eltern im Wohnzimmer schlafen, weil das Geld nicht für mehr Quadratmeter reicht“, sagt Gutachten-Autor und Sozialwissenschaftler Stephan Junker und mahnt:

„Es fehlen nicht nur kleine, sondern auch große bezahlbare Wohnungen.“ Und zwar weitaus mehr als die bislang geschätzten 1,9 Millionen in den deutschen Großstädten.

Bund muss sozialen Wohnungsbau entschlossener angehen

„Deshalb brauchen wir jetzt ein umfassendes Investitionsprogramm für die öffentliche Wohnungsbauförderung“, sagt SoVD-Präsident Bauer. Er fordert: „Der Bund muss den sozialen Wohnungsbau entschlossener in die Hand nehmen, als dies bisher mit der Bereitstellung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr geplant ist!“

Grünen-Wohnexperte Chris Kühn (39) nannte es „beschämend“, dass die Miete zu einem „Armutsrisiko“ geworden ist. Er fordert u. a. mehr Wohngeld für Hartz-IV-Empfänger, eine bessere Mietpreisbremse und weniger starke Mieterhöhungen für langjährige Mieter.

Echte Mietpreisbremse gefordert

Auch Linken-Politiker Jan Korte (41) pocht auf einen effektiveren Schutz vor Mietsteigerungen. „Dazu gehören u. a. eine echte Mietpreisbremse – flächendeckend, ausnahmslos und unbefristet – und die Abschaffung der Modernisierungsumlage.“

Quelle : https://www.bz-berlin.de/deutschland/wenn-die-miete-bezahlt-ist-bleibt-weniger-als-hartz-iv?fbclid=IwAR0xFaZEkE0KlzlTeRfmUWCj0PCS_QhiSN-2SonEC8L-MdHUAIZuIYZ3BYY

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