Um sein Wasser zu verteidigen, kämpft ein kleines Dorf gegen Nestlé – In Vittel gibt es kein Wasser mehr!

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In Vittel gibt es kein Wasser mehr. Immer wieder wehren sich verzweifelte Menschen, weil Nestlé ihnen das zum Leben notwendige  Wasser stiehlt. Freuen können sich dann die Kunden, die in den Discountern Mineralwasser zum Schnäppchenpreis angeboten bekommen, wie gerade das bei dem Mineralwasser Vittel von Nestlè der Fall ist.

Doch bereits 2018 teilte der Verband France Nature Environment (FNE) in einer Erklärung mit, dass dem Ort Vittel das Wasser ausgeht: Der internationale Riese Nestlé Waters hat die lokalen Ressourcen genutzt, um das Wasser nach Deutschland in Flaschen zu exportieren und zu vermarkten. Auch auf die Gefahr hin, den Grundwasserspiegel zu senken und die lokale Bevölkerung zu schädigen.

750 Millionen Liter, diese Menge an Wasser soll Nestlé jedes Jahr in Vittel aus dem Boden pumpen – und trocknet die kleine Gemeinde im Osten Frankreichs damit langsam aber sicher aus. Zurzeit werben Supermärkte mit dem Mineralwasser von Nestlé – 1 Liter für 0,30 Euro- 6X1,5 Flaschen für 2,69 Euro – 45 % gespart.

Während sich die deutschen Verbraucher über das Angebot freuen, geht den Menschen in Vittel langsam das Wasser aus: Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch, die Einwohner von Vittel, sollen sogar per Pipeline aus anderen Gegenden Wasser erhalten. „Vittel, das ist in Frankreich das Wort für Mineralwasser schlechthin“, so Nestlé auf seiner Webseite.

In Vittel gibt es kein Wasser mehr.

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ILLUSTRATION: SILJA GÖTZ FOR BLOOMBERG BUSINESSWEEK

Eine lange Reihe von Lastwagen fahren durch die Straßen von Vittel in Richtung der Autobahn A31, beladen mit Tausenden von Wasserflaschen, die in die Regale der französischen und europäischen Supermärkte verkauft werden sollen. Von Deutschland bis nach Japan wird Wasser aus den Vogesen getrunken. Es sind die Marken Hépar®, Contrex® und Vittel®,  jeder Tropfen stammt aus diesen mineralreichen Böden im Département Vosges. Jeder Cent geht in das Portfolio von Nestlé Waters, dem Markeninhaber, so ein Bericht aus reporterre.net

In dem französischen Ort Vittel  haben die Bewohner mit Wasserknappheit zu kämpfen, denn hier wird das berühmte Mineralwasser abgefüllt, welches gerade auch bei dem Riesen REWE zum Schnäppchenpreis angeboten wird. Vergessen sind plötzlich die Menschen, die unter der Ausbeutung der Quelle zu leiden haben. 

Während in den Niederlanden König Willem-Alexander persönlich eine Erweiterung der Nestlé-Babynahrungsfabrik in Nunspeet eröffnete, obwohl Nestlé auch wegen seiner Vermarktung von Babynahrung in der Kritik steht, kam die Nachricht aus Frankreich:

In Vittel gibt es kein Wasser – Der Satz kann Sie zum Lächeln bringen, aber es könnte für die Einwohner der Stadt der Vogesen eine Realität werden, so ein aktueller Bericht aus Frankreich. Vittel – das ist in Frankreich das Wort für Mineralwasser schlechthin, so Nestlé auf seiner Webseite. In einer am 22. März 2018 veröffentlichten Erklärung teilte der Verband France Nature Environment (FNE) mit: „Der internationale Riese Nestlé Waters hat die lokalen Ressourcen genutzt, um das Wasser nach Deutschland in Flaschen zu exportieren und zu vermarkten. Auch auf die Gefahr hin, den Grundwasserspiegel zu senken und die lokale Bevölkerung zu schädigen.“

Paradox, stand in den Niederlande zur gleichen Zeit als Schlagzeile in großen Lettern: „Nestlé verbraucht nur 131 Milliarden Liter Wasser pro Jahr“.  Man beachte „NUR“! Der Grund war laut trouw.nl,  die in Holland stattfindende große Party für Nestlé Nederland, wo auch König Willem-Alexander persönlich teilnahm. 

Nesté rühmte sich unterdessen in den Niederlanden wegen seines Wassersparprogramms, das sich der Schweizer Konzern selbst auferlegt hat. In den USA erhält Nestlé Waters sogar Nachhaltigkeitszertifizierungen, wie man in dem Bericht von.stamfordadvocate.com entnehmen kann,  man staune, für das Sparen von Wasser. Zur gleichen Zeit, als in Frankreich hingegen  Nestlè beschuldigt wird, dem Ort Vittel,  nach dem gleichnamigen Wasser, das Grundwasser so zu senken, dass der Ort bald auf dem „Trockenen“ sitzt. In Flint, Michigan, pumpt Nestlé kostenlos Millionen Liter Wasser aus den Großen Seen, während die Menschen in Flint für Gift-Wasser zahlen müssen.

Als Lösung des Problems in Vittel soll sogar eine Pipeline gebaut werden, um Wasser aus dem Nachbarort zu beziehen — finanziert mit öffentlichen Geldern. Man stelle sich das vor, die Menschen von Vittel bekommen dann nicht einmal ihr eigenes Wasser mehr.

Bedeutet, so ein Bericht aus reporterre.net

In Vittel, in den Vogesen, pumpen Nestlé Waters und die Einwohner das gleiche Wasser. Die Ressource schrumpft in besorgniserregender Weise, die örtlichen Behörden wollen Wasser aus einer anderen Gegend holen, um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Das multinationale Unternehmen Nestlé darf aber weiterhin aus der Quelle Wasser pumpen.

Dabei werden eine Million Kubikmeter Wasser aus benachbarten Gebieten durch unterirdische Rohrleitungen transportiert. Doch da machen die Einwohner von Vittel nicht mit. Umweltgruppen lehnen diese Entscheidung ab, die ihrer Ansicht nach eine Privatisierung des Wasserquelle durch Nestlé bestätigt. Sie bereiten Rechtsmittel und Bürgermobilisierung vor. Weitere Details finden Sie hier .

Doch eine Pipeline kommt für die Anwohner nicht in Frage, denn ein Zusammenschluss von Verbraucher- und Naturschutzverbänden  wehrt sich dagegen, das Trinkwasser in Vittel allein dem Konzern zu überlassen, und sie wurden bisher in der Wasserkommission überstimmt. Sie haben einen Alternativvorschlag erarbeitet, der ohne Pipeline auskommt. Jean-François Fleck vom Naturschutzverein „Vosges Nature Environnement“ stellt ihn laut Deutschlandfunkkultur vom Februar 2019 den Teilnehmern eines Workshops vor:

Die Bedürfnisse der Bevölkerung haben Vorrang. Und das funktioniert nur, wenn Nestlé das Abpumpen an dieser Quelle einstellt. Aber diese Einbußen könnten sie kompensieren. Denn Nestlé besitzt auch noch Rechte an anderen Quellen im Muschelkalk. Das Wasser von dort nutzen sie bereits für ihre Prozesse. Und dort haben sie mittlerweile auch eine Lizenz zum Abfüllen als Trinkwasser.“

Ein Bürgerprotest gegen die Pipeline organisiert sich, doch Nestlé droht mit der Entlassung von 200 Angestellten.  Vittel ist nicht allein mit dieser Situation, denn auch in Michigan, USA kämpfen die Menschen, um ihr Wasser zu verteidigen.

Immer wieder wehren sich verzweifelte Menschen, weil Nestlé ihnen das zum Leben notwendige  Wasser stiehlt. Nestlé verdient mit dem Verkauf von Flaschenwasser etwa 7,4 Milliarden Dollar, während das Unternehmen selbst nur sehr wenig an die Gemeinden zahlt. Nur 200 Dollar pro Jahr zahlt der Konzern an den Staat Michigan, um mehr als 590 Millionen Liter Wasser zu pumpen. Eine Wasserabfüllfabrik von Nestlé in Stanwood, Michigan, produziert bis zu 1200 Flaschen in der Minute und saugt aus sieben nahe gelegenen Quellen bis zu 950 Liter Quellwasser pro Minute.

So wird Nestlé nach den Kaffeekapseln wieder zur Nr. 1 mit einer Marketingstrategie, diesmal Mineralwasser!

Henri Nestlé, Erfinder des Nestlé-Milchpulvers für Babys, gründet 1843 in Vevey eine Fabrik für Wasser. Dort stellt er aus Leitungswasser „Mineralwasser“ her. Die Produkte vertreibt er in den Gaststätten der Region. In seinen späten Jahren kauft er unweit von Vevey an seinem Altersitz Glion Quellenrechte auf. Das Wasser benutzt er für seinen Haushalt und die Bewässerung seines weitläufigen Gartens. Das überschüssige Wasser lässt er der Bevölkerung zukommen.

1969 beteiligt sich Nestlé an der Société Générale des Eaux Minérales de Vittel. Das ist Nestlés Einstieg in die Flaschenwasserindustrie. 

  • 1976 steigt der weltweite Marktführer Perrier in den USA ein. Nestlé kann den Vertrieb der bauchigen Glasflasche übernehmen und sieht, wie die französische Marke beim jungen urbanen Publikum gut ankommt.
  • Flaschenwasser beginnt sich als Alternative zu Süßgetränken wie Coca-Cola und Pepsi zu etablieren – als kalorienfreier Durstlöscher, voll im Trend der aufkommenden gesundheitsbewussten Ernährung. Die Industrie wächst rasant, die Verkaufszahlen steigen.
  • 1989 beschließen der Nestlé-Vorstandsvorsitzende Helmut Maucher und Marketingchef Peter Brabeck (heute Vorstand), voll auf Wasser zu setzen. Nestlé will jetzt die Nummer 1 werden und macht sich an Perrier heran. Nach einem unerbittlichen Übernahmekampf streichen die Franzosen 1992 die Segel. Mit dem Kauf von Perrier gehen in den USA zahlreiche regionale Brands automatisch an Nestlé über, darunter Poland Spring.

So wird Nestlé wieder zur Nr. 1 mit einer Marketingstrategie, bei der die Erfinder wieder Tränen in den Augen hatten, natürlich vor Freude, und ihr Glück gar nicht fassen konnten. Man zahlt ein paar Cents und verkauft es dann teuer für paar Euros. Der Verbraucher bedankt sich wieder mit klingenden Kassen für Nestlé und der damalige Marketingchef Peter Brabeck wird Vorstand.

Ein Wasser für die ganze Welt – Pure Life – so schreibt auch Nestlé seine Geschichte auf seiner Webseite für jeden lesbar. Nun ja, lesen werden diese Geschichte eh nur wenige – diese Wassermarken kaufen schon eher. Weltweit werden ca. 89 Milliarden Liter Wasser jährlich in Plastikflaschen abgefüllt und nur Nestlé, Danone, Coca Cola und Pepsi teilen sich dieses Geschäft.

Und es gibt bereits einen neuen Marketingtrick von Nestlé, wieder Vittel: 

„Reine Vitalität und pure Lebensfreude“ –Vittel natürliches Mineralswasser 1,5 l laktosefrei! Lebensfreude will aber in dem gleichnamigen Dorf  Vittel gar nicht aufkommen, denn Dank Nestlé, der dort das Wasser abgräbt, gibt es kein Wasser mehr.

Nestlé ist eine der meistgehassten Firmen der Welt und der größte Lebensmittelkonzern der Welt und hat eine Geschichte, die selbst Hardcore-Industrielle zittern lassen würde.

Immer noch nicht scheint Nestlé verstehen zu wollen, warum der Konzern weltweit kritisiert wird, wie man auf seiner Homepage lesen kann.  Erst der Kursrutsch bei der Nestlé-Aktie, dann die Auseinandersetzung mit EDEKA und Co., die Zunahme der Kritik, ob Wasser, Gentechnik, illegale Preisabsprachen, Nestlés Image ist im Keller und da helfen auch nicht die vielen Zertifikate, die das Gegenteil beweisen sollen, so wie ausgerechnet Nestlé Pakistan. Der Konzern wurde wegen „Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet, obwohl Nestlé wegen dem „klauen“ vom  Wasser  in Pakistan vor Gericht stand.

Der Zugang zu erschwinglichem Trinkwasser wird immer problematischer – Wasser ist ein Allgemeingut und gehört der gesamten Menschheit und nicht nur Profiteuren!!

Quelle : http://dirtyworld1.wordpress.com

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