Impfen als Pflicht? CDU-Abgeordneter fordert Kita-Ausschluss von ungeimpften Kindern No ratings yet.

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Mit einem Vorschlag hat der CDU-Europaabgeordnete Sven Schulze die Debatte um eine Impfpflicht auch in Dessau-Roßlau neu entfacht. Schulze, zugleich Generalsekretär der CDU in Sachsen-Anhalt, hatte auf Twitter geschrieben: „Kinder, die nicht geimpft sind, sollten landesweit keinen Zugang mehr zu Kitas oder Schulen bekommen. Einhergehend mit einer gesetzlich festgelegten Impfpflicht.“ In der Region ist Schulze damit auf Zuspruch gestoßen.

„Ich sehe das wie die Gurt-Pflicht. Es gab zu Beginn Bedenken, aber unter dem Strich hat diese Pflicht zig tausende Leben gerettet. Auch Impfungen retten Leben“, sagt Uwe Mathony, Chefarzt der Kinderklinik am Städtischen Klinikum in Alten. Zwar sei die Impfquote vor allem im Osten Deutschlands hoch, aber eine Pflicht könne die Quote erhöhen und die Lücken schließen.

Impfpflicht greift in Rechte der Eltern ein

„Es gibt Fälle, in denen Impfungen bewusst nicht gewollt oder auch vergessen werden. Eine Kontrolle würde das ändern. Es ist aber schwer, das umzusetzen, weil es in Rechte eingreift“, sagt Mathony. In Deutschland gebe es zurzeit nur Impfempfehlungen. Eltern können frei entscheiden, ob und wogegen sie ihre Kinder impfen lassen. Das Grundgesetz garantiert den Vorrang der Eltern, ihre Eigenständigkeit und Selbstverantwortung bei der Pflege und Erziehung der Kinder.

Mathony verweist auf die medizinischen Fortschritte durch Impfungen. „Sie haben Krankheiten wie Pocken oder Polio praktisch ausgerottet. Sie haben die Kindersterblichkeit drastisch gesenkt, ebenso Behinderungen als Spätfolgen von Krankheiten“, so Mathony. „Vor 100 Jahren betrug die Sterblichkeit für das erste Lebensjahr noch 20 Prozent, heute sind es 0,4 Prozent.“ In diese Entwicklung zählten allerdings auch in eine veränderte Ernährung und Hygiene hinein.

„Es geht um Leib und Leben von kleinen Kindern“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller aus dem Wahlkreis Dessau-Wittenberg unterstützt die Forderung nach einem Ausschluss nicht geimpfter Kinder von einem Kita-Besuch. „Es ist das, was viele im Osten denken. Wenn Eltern ihr Kind nicht impfen wollen, ist das ihr Recht. Aber sie sollten dann nicht eine Gefahr in eine Kindereinrichtung bringen, die städtisch finanziert wird“, fordert Müller.

So komme es beispielsweise immer wieder zu neuen Masernausbrüchen in Deutschland, obwohl die Krankheit schon ausgerottet sein sollte – weil zu wenig Menschen dagegen geimpft seien. „Es geht um Leib und Leben von kleinen Kindern. Sie können nichts dafür, wenn Eltern sich gegen eine Impfung entschieden haben.“

Gegner von Impfungen bezweifeln trotz vieler Fakten deren Wirksamkeit und argumentieren mit Impfschäden, die entstehen könnten. Im so genannten „Nationalen Impfplan 2012“ sind die anerkannten Impfschäden aus allen Bundesländern für den Zeitraum 2005 bis 2009 gesammelt aufgeführt. Es waren insgesamt 169 Fälle.

In Frankreich ist die Impfpflicht gerade erst ab 2018 ausgeweitet worden

In mehreren europäischen Ländern sind verschiedene Impfungen verpflichtend, häufig gegen Masern. In Frankreich ist die Impfpflicht gerade erst ab 2018 ausgeweitet worden, Kinder müssen gegen elf Krankheiten geimpft werden.

Auch in den USA gilt eine strikte Impfpflicht, unter anderem für Masern und Windpocken. Wer dagegen nicht geimpft ist, darf keine öffentliche Schule besuchen. In Deutschland steht die allgemeine Schulpflicht einem Ausschluss ungeimpfter Kinder entgegen.

Der Eigenbetrieb Dessau-Roßlauer Kindertagesstätten (Dekita) will eine generelle Impfpflicht nicht bewerten. „In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, sie wird auch nicht durch das Kinderförderungsgesetz oder das Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben“, sagt Carsten Sauer, Sprecher der Stadtverwaltung. Verpflichtend ist hingegen die Impfberatung.

Beratung als Voraussetzung für die Aufnahme des Kindes in die Kita

Vor einer Aufnahme der Kinder in eine Einrichtung müssen Eltern einen Nachweis darüber erbringen, dass sie eine ärztliche Beratung zum Impfschutz des Kindes erhalten haben. Wird dieser nicht vorgelegt, müssen Kitaleiter das an die örtlichen Gesundheitsämter melden.

„Sie entscheiden dann, ob sie die Personensorgeberechtigten zu einer Gesundheitsberatung einladen. Das Amt kann auch entscheiden, dass Kinder temporär vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden, wenn Krankheiten grassieren, gegen die sie nicht geimpft sind. (mz).

Quelle : https://amp.mz-web.de/dessau-rosslau/impfen-als-pflicht–cdu-abgeordneter-fordert-kita-ausschluss-von-ungeimpften-kindern-31091544

 

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