EU wird verklagt, um das Verbrennen von Bäumen für Energie zu stoppen

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Wir verlieren unsere uralten Buchenwälder. Sie werden klammheimlich gefällt und das Holz wird containerweise nach China exportiert, obwohl diese Wälder geschützte Natura-2000-Gebiete sind. Doch nicht nur Chinas Hunger nach Holz sorgt weltweit dafür, dass uralte Bäume gefällt werden, auch die Bioenergiepolitik der EU. 

Die letzten Urwälder Europas werden so rasend dem Boden gleichgemacht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wie lange wir überhaupt noch Wälder haben. Statt alte Bäume werden schnell wachsende Baumsorten angepflanzt, doch die Folgen sind gravierend.

Ganze Kieferwälder werden zur Gewinnung von Holzpellets für Heizungsanlagen gefällt. Es kann sogar zu Waldbränden führen, denn Geld spielt ebenfalls eine große Rolle. Vom Staat gibt es Geld zum Wiederaufforsten. Oder Waldbauern fackeln ihre eigenen Wälder ab, um anschließend Eukalyptus dort anzupflanzen, denn dafür gibt es ebenfalls Geld. Jetzt wird die EU verklagt. 

EU wird verklagt, um das Verbrennen von Bäumen für Energie zu stoppen

Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen! Ursprünglich sahen die Wälder in unseren Breiten einmal so aus wie es heute noch in einigen Naturwald-Reservaten zu finden ist. Es waren ungemein Biomasse-reiche Buchen–Eichen–Urwälder … und was ist daraus geworden? Sie sind weg!

Allein diese Zahl sollte alle Alarmglocken läuten lassen:  Es sind rund 14 000 Container im Jahr. Sogar das statistische Bundesamt erfasst nun die Ausfuhren von Buchenrohholz nach China und meldete gut 330 000 Tonnen für das Jahr 2012. Für diese Menge muss etwa ein Areal von 2400 Fußballfeldern Buchenwald kahl geschlagen werden.

Hinzu kommen die Waldbrände, die zum Beispiel 2017 in Chile wüteten. Über 480.000 Hektar Wald waren dem Feuer zum Opfer gefallen.  Die chilenischen Behörden haben in den letzten 60 Jahren einen großen Fehler gemacht, es war die Genehmigung, native Wälder durch Baumarten, die nicht für diese Gebiete geeignet sind, zu ersetzen, weil diese den Boden auslaugen, weil sie leicht entflammbar sind, weil man nicht erlaubt, dass Unterholz wächst, und was zur Folge hat, dass die Flora und Fauna, die der native Wald hatte, konsequent verschwindet.

Mit den Monokulturen der Baumsorten kamen auch die Schädlinge. 2001 erschien zum ersten Mal die Sirex noctilio, die blaue Fichtenholzwespe. Bereits viele Versuche wurden unternommen, die Plage, die das Holz unverkäuflich macht, zu stoppen. Die besten Ergebnisse erzielten bis jetzt die Waldbrände vorheriger Jahre, die zufällig genau dort ausbrachen.

Eine Baumsorte, die in Deutschland bevorzugt wird, ist die Pappel. Es gibt bereits viele Testgebiete wie zum Beispiel in Hessen. Die nur in wenigen Wochen zugelassene Pappelklon „FastWood 1“ oder auch die der in Deutschland bislang noch nicht angebauten vielversprechende Pappelklone „Bakan“ und „Skado“ aus Belgien werden verwendet. Im Frühjahr 2018 wurde die Fläche mit einer Moorbirke und einer Hybridbirke komplettiert.

Daran sehen Sie, auch die Bäume werden nicht mehr natürlich gelassen, sondern man schafft einfach andere Sorten. Finanziert werden diese Versuche mit Steuergeldern. Alte Bäume war gestern, heute gibt es gezüchtete Kreationen.

Was auf dem Spiel steht, wenn Biomasse weiterhin als klimaneutral eingestuft wird

Justin Catanoso schreibt regelmäßig für Mongabay. Er ist Professor für Journalismus an der Wake Forest University in North Carolina, wir haben den folgenden Beitrag für Sie übersetzt:

Kläger in fünf europäischen Nationen und den USA erhoben im März Klage gegen die Europäische Union am europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Gegenstand ist die zunehmende Verwendung von Kohleheizanlagen zum Brennen von Holzpellets und -chips, was allgemein als Bioenergie bekannt ist.

Aktivisten sehen die Bioenergiepolitik der EU als rücksichtslos und klimaschädlich an. Im Kyoto-Protokoll war Bioenergie als CO2-neutral bezeichnet worden, was bedeutet, dass Nationen das Brennen von Holz nicht als CO2-Emissionen laut dem Pariser Abkommen anrechnen müssen.

Jedoch haben Studien während der letzten 20 Jahre gezeigt, dass Bioenergie zwar technisch CO2-neutral sein mag, es innerhalb des engen Zeitrahmens, in dem die Welt ihre Emissionen herunterfahren muss, jedoch nicht ist.

Im Wesentlichen dauert es viele Jahrzehnte für das Baumwachstum, um die Menge von CO2, die durch das Abbrennen von einem erwachsenen Baum innerhalb eines einzigen Tages zu kompensieren. Das regierungsübergreifende Gremium der UN zum Klimawandel erklärte erst im vergangenen Oktober, dass der Welt nur 12 Jahre – nicht Jahrzehnte – bleiben, um Emissionen drastisch herunterzufahren oder einen katastrophalen Temperaturanstieg und klimatische Folgen zu erfahren.

Der Kampf der klagenden Aktivisten wird schwierig. Nur EU-Mitgliedsstaaten und -Institutionen sind klageberechtigt. Um Klageberechtigung zu erhalten, müssen sie nachweisen, dass die Bioenergiepolitik der EU Auswirkungen auf sie hat.  Die Aktivisten sagen, dass die Beendigung der Bioenergieproduktion entscheidend ist, wenn die Welt katastrophalen Klimawandel vermeiden möchte.

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Foto: Die Drax Energiegewinnungsanlagen in Großbritannien gehören zu den größten Nutzern von Holz-Biomasse zur Energiegewinnung. Der Biomassenkegel von Drax, der hier zu sehen ist, brannte einst Kohle und jetzt Holzpellets und -chips. Bild: DECCgovuk on VisualHunt / CC BY-ND.

Kläger in fünf europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten erhoben eine nie zuvor eingereichte Klage am Montag, dem 4. März gegen die Europäische Union vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg.

Sie stellen unter Klage, dass die Direktive RED (=renewable Energy Directive) der EU von 2018 – die ihre Mitglieder dazu verpflichtet, wenigstens 32 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2010 zu erzeugen – zu einem Anstieg des Bedarfs an Holzpellets und -chips führen wird, weil die gegenwärtige Haltung der Vereinten Nationen das Verbrennen von Biomasse zur Energieerzeugung als CO2-neutral ansieht.

Die Folge davon ist, dass Emissionen aus Holzverbrennung nicht zu den CO2-Emissionen eines Landes insgesamt gerechnet wird. Das Kyoto-Protokoll vor 20 Jahren erklärte ursprünglich Bioenergie als CO2-neutral. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben dies seitdem als falsch widerlegt. Diese neue Schlussfolgerung, bezeichnet als „CO2-Berechnungsschlupfloch für Bioenergie“ (Bioenergy Carbon Accounting Loophole“ liegt dieser Klage zugrunde.

„Die Politik der EU stützt sich auf die falsche und verantwortungslose Schlussfolgerung, das Brennen von Holz sei CO2-neutral. Wissenschaftler aus aller Welt, darunter auch die EU-eigenen wissenschaftlichen Berater, warnen hingegen, dass das Abbrennen von Holz die Emissionen ebenso ansteigen lässt wie dies auch die fossilen Brennstoffe tun“, sagt Mary S. Booth, Direktorin der US-basierten Partnership for Policy Integrity, deren Forschung zur Biomasse den Anstoß zur Klage gegeben hatte.

Ole W. Pedersen, Rechtsanwalt für Umweltrecht der Newcastle Law School in Großbritannien, teilte uns [Mongabay] mit, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens kämpften die Kläger einen schweren Kampf, damit ihre Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zugelassen werde. Üblicherweise können Einzelpersonen und NGOs Klage einreichen, wenn sie nicht nachweisen können, dass sie selbst direkt betroffen sind.

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Foto Kieferwälder, zur Gewinnung von Holzpellets für Heizungsanlagen gefällt, werden neu angepflanzt, sodass Bioenergie technisch als CO2-neutral bezeichnet werden könnte, aber höchstens langfristig. Es kann viele Jahrzehnte dauern, bis neue Bäume ihre „Schlachtreife“ im Sinne des CO2-Ausgleichs erreichen. Jedoch: Laut dem neuesten Bericht des Weltklimarats IPCC bleiben der Menschheit nur mehr 12 Jahre, um Emissionen drastisch zu senken, wenn sie sich nicht  katastrophalen Folgen des Klimawandels aussetzen will. Bild: ChattOconeeNF on Visualhunt.com / CC BY.

Biomasse erzeugt mehr Emissionen als Kohle

Der Gegenstand des Verfahrens beklagt, dass ursprünglich mit Kohle betriebene Heizungsanlagen in der gesamten EU rasch umgestellt werden auf Holzpellets, die hauptsächlich in Wäldern im Südosten der Vereinigten Staaten und im Osten Europas geerntet werden. 2016 stammte fast die Hälfte der in der EU erzeugten „erneuerbaren Energien“ aus Holz-Biomasse, so der Text der Klage, und man erwartet, dass ein deutlicher Anstieg dieses Anteils in der Zukunft gefordert werde.

Forscher, die diese Klage unterstützen, argumentieren, weil mehr Holzpellets als Kohle benötigt werden für dieselbe Energiemenge, produziere Holz tatsächliche mehr CO2-Emissionen als Kohle. Jedoch würden wegen der CO2-Neutralitätspolitik des überholten Kyoto-Protokolls diese Emissionen nicht berücksichtigt. CO2-Neutralität basiert im Fall der Biomasse auf einer inzwischen in Misskredit geratenen Annahme, weil neue Bäume gepflanzt würden, wo reife Bäume abgeholzt worden seien, das neue Wachstum die CO2-Emissionen des verbrannten Holzes wieder ausgleiche.

Forschungsergebnisse des Woods Hole Research Center in Massachusetts zeigen jedoch wie andere Studien auch, dass, selbst wenn eine gleiche Zahl an Bäumen wieder gepflanzt wird – was oft nicht der Fall ist – würden diese Bäume Jahrzehnte benötigen, die CO2-Emissionen zu absorbieren, die von den Tonnen an Holzpellets erzeugt werden, die an nur einem einzigen Tag abgebrannt werden.

Zwar gibt es technisch gesehen einen CO2-Ausgleich irgendwann, aber die Verzögerung um viele Jahrzehnte ist einfach eine viel zu große Zeitspanne, denkt man an die dringende Notwendigkeit, den Temperaturanstieg unterhalb von 1,5 Grad Celsius (2,7 Grad Fahrenheit) gegenüber den vorindustriellen Werten zu halten. Der Welt bleiben nur mehr 12 Jahre, um ausreichende Einschnitte beim CO2 zu machen, um katastrophale Klimaveränderungen zu vermeiden, dies laut dem Bericht des regierungsübergreifenden Forums zum Klimawandel (Klimarat) der UN vom letzten Oktober.

Und schließlich: Was auf dem Spiel steht, wenn Biomasse weiterhin als klimaneutral eingestuft wird, argumentierten die Umweltaktivisten beim Klimagipfel in Polen im letzten Dezember, ist die Aushöhlung der Ziele des historischen Pariser Klimaabkommens. Dieses Abkommen will die globale Temperaturerhöhung bei maximal 1,5 ° halten sowohl durch Reduktion der Emissionen beim Verbrennen fossiler Energien als auch den Schutz von Wäldern als effektive Karbonsenken und Bewahrer der Biodiversität.

Dieses Bioenergie-Schlupfloch der UNO würde das Erreichen beider Ziele unmöglich machen durch übermäßigen CO2-Überschuss und inakzeptable Temperaturanstiege bis in die Gefahrenzone hinein – sagen Wissenschaftler.

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Foto: Bilder wie dieses, junge Hände halten Holzpellets, werden eifrigst von einer Holzindustrie vertrieben, die die Öffentlichkeit dahingehend beeinflussen möchte, [diese Art der Energiegewinnung] als grün wahrzunehmen. Neue Studien haben jedoch klar gezeigt, dass Behauptungen, CO2 aus Bioenergie sei klimaneutral, falsch sind. Wissenschaftler und Aktivisten werden zunehmend alarmiert durch Regierungen, Energieerzeuger und Holzwirtschaftsunternehmen, die fortgesetzt das überholte Kyoto-Protokoll mit seiner behaupteten Klimaneutralität bewerben. In der Zwischenzeit hat die UNO nichts unternommen, um ihre Position zu ändern, und sie lässt Aktivisten im Regen stehen, denen als einziges vertretbares Gegenmittel der rechtliche Weg bleibt. Bild#ODF on Visual hunt / CC BY.

Verantwortliche Emissionen in Frage gestellt

Wenn nicht alle CO2-Emissionen vollständig und genau gemessen und berücksichtigt werden, besonders jene aus dem Verbrennen von Holz, werden angesichts des Abtragens oder gar des vollständigen Abholzens von Wäldern die Treibhausgas-Emissionen Hand in Hand mit den globalen Temperaturen steigen – auch wenn Länder Berichte hervorbringen, in denen sie behaupten, ihre Ziele der Emissionsreduktion erreicht zu haben. Wissenschaftlern zufolge ist das Schließen dieses Schlupfloches bei der Bioenergie dringend.

Die letzten fünf Jahre waren weltweit die heißesten seit der Wetteraufzeichnung. Die starken klimatischen Auswirkungen zur Folge: den Anstieg des Meeresspiegels, das Abschmelzen der Polkappen, heftige Winde, Feuersbrünste, das Sterben von Korallenriffen weltweit, die steigende Zahl von Klimaflüchtlingen und wirtschaftliche Katastrophen.

„Dieses Gerichtsverfahren ist nötig, weil die EU bislang nicht willens war, die Erkenntnisse der Wissenschaft über Biomasse in Betracht zu ziehen“, teilte Martin Luiga, Leiter der estnischen Waldhilfe, uns [Mongabay] mit. „Das bedeutet: Die Verwüstung auf Grund von RED II wird fortfahren, während gleichzeitig die europäischen Steuerzahler betrogen werden: Sie bekommen nicht das Ergebnis „Grüner Energie“, für das sie bezahlen“.

Kläger im Verfahren von Estland, Frankreich, Irland, Rumänien, der Slowakei und der USA machen geltend, dass sie durch das Abholzen und das Brennen von Biomasse bereits Schaden erlitten  haben, und sie erwarten eine Eskalation dieser Schäden, der einhergehen wird mit der steigenden Nachfrage nach Holzpellets. Jeder der Klagenden kommt aus einem Teil der Welt, in dem gut gewachsene, ja sogar alte gewachsene Wälder abgeholzt werden für die Produktion von Holzpellets für Bioenergie.

Kläger Kent Robertson kommt aus Williamston im Osten North Carolinas. Er macht geltend, dass die 30 Morgen, die seine Familie seit 1898 bewirtschaftet, bejagt und bewohnt hat, ringsherum ökologisch geschädigt worden ist durch intensives Holzfällen für Holzpellets. Vögel und andere Tiere sind verschwunden sowie Wälder, die als Pufferzonen bei Überflutungen und starken Stürmen dienten wie beim Hurrikan Florence im vergangenen Jahr.

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Foto – Menschen stellen sich oft vor, dass Holzpellets nur in kleinen Öfen innerhalb von Haushalten verbrannt werden. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus, so z. B. in der Biomassenanlage Drax in Großbritannien. Bild: nican45 on Foter.com / CC BY-NC-SA.

Verteidigung von Bioenergie

Die Welt-Bioenergie-Organisation in Stockholm unterstützt das Verbrennen von Biomasse, darunter auch Holz, als Alternative zu dem von Kohle. Bioenergie sei eine wichtige Alternative zu fossilen Brennstoffen“, antwortete die Organisation in einer E-Mail. Bioenergie sei CO2-neutral und ein nachhaltiges Management von Biomasse für Energie und Produkte sei Teil des natürlichen CO2-Zyklus.

Manager der Holzindustrie verkündeten, dass sie keineswegs „gut gewachsene Wälder“ abholzten, sondern [für das Abholzen] angebaute Bäume, tote Bäume, Holz-Überreste vom Waldboden und Holzabfall aus Sägemühlen für die Herstellung von Holzpellets verwendeten.

Kate Dooley, Forscherin am australisch-deutschen College für Klima und Energie der Universität Melbourne, widersprach solchen Behauptungen in einem Interview mit Mongabay: „In Victoria, wo ich lebe, haben wir das Problem, dass nur Überreste für Bioenergie genutzt werden dürfen, aber die Forstindustrie etikettiert einfach einen Teil ihrer Ernte als ‚Überreste‘ um“, sagt sie. „Das bedeutet, dass die Reduktion erlaubter Biomasse auf Überreste nicht für den Schutz der Wälder garantiert“.

Es sieht nun ganz so aus, als müssten die Gerichte hierüber entscheiden.

Quelle

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