EU-genehmigtes Pestizid Chlorpyrifos – Gefahr fürs menschliche Hirn? No ratings yet.

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Das Pestizid Chlorpyrifos steht im Verdacht, die Gehirnentwicklung beim Menschen zu schädigen. Seit 2006 ist es in der EU zugelassen – doch laut Recherchen des BR haben die Behörden dabei eine fehlerhafte Studie akzeptiert.

Von Eva Achinger und Lisa Wreschniok, BR

Es ist ein Bestseller, eines der in der Landwirtschaft am häufigsten eingesetzten Pestizide: Chlorpyrifos. Der Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel tötet Läuse, Fruchtfliegen und andere Schädlinge und wird beim Getreide- und Obstanbau eingesetzt. Seit Jahren steht Chlorpyrifos im Verdacht, die Gehirnentwicklung beim Menschen, insbesondere bei Ungeborenen im Mutterleib, zu schädigen. Die Folgen können zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen oder verminderte Intelligenz sein.

Eine wissenschaftliche Untersuchung, die BR Recherche exklusiv vorliegt, kommt jetzt zu dem Schluss, dass Chlorpyrifos in der EU zugelassen wurde, obwohl eine wichtige Studie zur Gefährlichkeit des Stoffes offenbar fehlerhaft war.

Unveröffentlichte Daten ausgewertet

Der Umweltmediziner Philippe Grandjean, Professor an der US-amerikanischen Universität Harvard, und der Wissenschaftler Axel Mie vom schwedischen Karolinska-Institut konnten Rohdaten einer bisher unveröffentlichten Studie des Herstellers Dow Agro Sciences einsehen, die Teil des europäischen Zulassungsantrags war. Dabei stießen sie auf gravierende Unstimmigkeiten.

„Wir haben in diesen Rohdaten deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei allen getesteten Dosen der Aufbau des Gehirns signifikant beeinträchtigt wird“, sagt Mie. „Aber es findet sich davon nichts in dem Report der Studie wieder.“

Laut den Wissenschaftlern geht aus den Rohdaten hervor, dass Chlorpyrifos in Tierversuchen den Aufbau des Gehirns schon bei geringer Dosierung schädigte. Dieser Effekt aber taucht im Fazit der Herstellerstudie von 1998 nicht auf.

Studie wurde nicht bemängelt

Genau diesen Widerspruch haben die Zulassungsbehörden nach Recherchen des BRnicht bemängelt, obwohl sie auch die Rohdaten eingereichter Studie überprüfen sollen. „Es ist schockierend herauszufinden, dass eine Studie, die Teil des Zulassungsantrags war, fehlerhaft ist, und dass die Behörden das nicht bemerkt und diese akzeptiert haben“, sagt Grandjean. „Mein Vertrauen in das Zulassungssystem, das eigentlich vor giftigen Stoffen schützen soll, ist zutiefst erschüttert.“

Chlorpyrifos ist seit 2006 in der EU zugelassen. Deutsche Landwirte dürfen Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff seit 2008 nicht mehr einsetzen – in 20 anderen EU-Mitgliedsstaaten wird der Wirkstoff aber weiterhin verwendet. Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden in Deutschland jedes Jahr Rückstände von Chloryprifos in importierten Waren gefunden, beispielsweise in Orangen und Clementinen aus Spanien. Aus Ländern außerhalb der EU werden immer wieder Waren beanstandet, weil der Chlorpyrifos-Höchstgehalt überschritten ist, zum Beispiel bei Rosinen aus der Türkei.

Quelle : www.tagesschau.de

 

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