Änderungen 2018 – Privatsphäre beim Autofahren in Gefahr

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Neuwagen dürfen ab 01. April nur verkauft werden, wenn sie ständig online sind.  Vorgeblich sollen damit Fahrer geschützt werden, indem ein Notfallsystem bei einem Unfall automatisch Helfer alarmiert. Der Nebeneffekt: Eine ständige Datenverbindung greift in die Privatsphäre ein. Wirtschaftsreporter Johannes Frewel über Auswirkungen.

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Fast 3,5 Millionen Neuwagen will die deutsche Autoindustrie in diesem Jahr verkaufen. Ab 1. April ist das elektronische Datenmodul eCall bei Neuwagen gesetzlich vorgeschrieben. Jedes Auto bekommt eine eigene SIM-Karte und ist ständig mit dem Netz verbunden – auch wenn es abgestellt und fest verschlossen ist. Von Autobauern über den ADAC, Versicherungen und Behörden – alle wollen Zugang zu den Nutzungsdaten. Lediglich bei Versicherungen, die Rabatte abhängig vom Fahrstil anbieten, sei der Datenschutz in Ordnung, betont Michael Bruns von der Stiftung Warentest „Die Versicherer bieten Telematik-Tarife an. Da muss man sagen, die Datensammelei ist abgestimmt mit dem Datenschutzbeauftragten. Das ist vom Konzept her durchaus sicher, denn da sind die Daten verschlüsselt und anonymisiert. Der Versicherer bekommt nur den Score-Wert, 80, 90 oder 100 Punkte.“

Datenverhalten bei allen Apps kritisch

Ganz anders die Apps von Autoherstellern. Sie sammeln wild offenbar alles, was sie bekommen können. Was genau, bleibt geheim. Mit Sensoren erfasst werden nicht nur etwa Motorwerte. Auch das, was sich beispielsweise auf dem Beifahrersitz tut. Stiftung Warentest fragte 13 Autohersteller, welche Daten aus dem Auto an alle möglichen Empfänger gesendet werden. Außer Daimler antwortete niemand. „Man kann es letzenendes gar nicht sagen, weil es unmöglich ist, sich in diese Apps reinzhacken. Bei allen war das Datenverhalten kritisch. Alle Apps senden schon beim Starten des Autos, wo man ist. Da gehen die Daten sofort an Google, an Apple, die Fiat-App hat sogar heimlich im Hintergrund mit Facebook kommuniziert.“

Ende der Privatsphäre im Auto

Wohlgemerkt ohne Einwilligung des Fahrers. Die gesetzlich eingebaute SIM-Karte dürfte das Ende der Privatsphäre im Auto einläuten. Das Bundesinnenministerium hat Medienberichten zugfolge bereits klare Pläne. Gespräche in Autos abhören, Daten in Echtzeit auslesen. Digitale Hintertüren, damit Behörden jederzeit in die Steuerungssoftware eingreifen können. Wer das nicht will, sollte seinen jetzigen Wagen noch lange fahren, falls der noch nicht bereits ständig online ist, rät Michael Bruns. „Viele Autos haben bereits eine SIM-Karte eingebaut. Die senden nicht nur den Kilometerstand oder die Füllstände vom Öl oder Kühlwasser, sondern alles mögliche andere auch. Wer da sicher sein will, dem bleibt nichts anderes übrig, als ein altes Auto zu fahren.“

Autofahrer können die Datensammelwut nicht stoppen, die Onlineverbindung lässt sich nicht abschalten. Sollten Pläne der Behörden Wirklichkeit werden, dann sitzen Polizei und Geheimdienste bald nicht nur potentiell mit am Steuer. Sie könnten auch auf Mikrofone und Kameras digitalisierter Autos zugreifen.

Quelle : https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/wirtschaft_aktuell/201801/197226.html

 

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